Abschied vom Ashram und Ankunft in Neu Delhi

Liebe Freunde in der Schweiz

Nach einer längeren “Schaffens”-Pause melden wir uns wieder zurück. Unsere Reise führte uns nochmals 4 Tage nach Varkala wo wir unsere Weiterreise planten und mit viel Wehmut die letzten 8 Wochen Revue passieren liessen.  Hanspeter kam noch in den Genuss zweier Bamboo-Flöten-Stunden bei Veny einem der renommiertesten Flötenhersteller ganz Indiens. Gedanklich nahmen wir schon mal Abschied von Amma und dem Ashram-Leben. Wir spürten, dass es Zeit ist unsere Reise fortzuführen. Zurück im Ashram buchten wir den nächstmöglichen Flug nach Delhi, dies war dann bereits zwei Tage später. Es blieb uns nicht mehr viel Zeit uns von allem “überflüssigem” wie Kleider, Putzmittel ect. zu trennen und uns von den liebgewonnenen  Langzeitbesucher und Dauerbewohner zu verabschieden. Glück und Traurigkeit wechselten sich ab als wir unseren letzten Darshan (Umarmung) von Amma bekamen.  Ich glaube wir wussten in diesem Augenblick beide, dass es nicht das letzte Wiedersehen mit Amma sein wird.

Nach 3.5 Stunden Flugzeit sind wir am Sonntag um 23.00h im beeindruckend grosszügig gebauten und unglaublich sauberen Flughafen Delhi gelandet. Trotz des verspäteten Abflugs in Cochin genossen wir jede Minute, hatten wir doch seit zwei Monaten erstmals wieder einen klimatisierten Raum betreten. Ein Taxi brachte uns um Mitternacht in unser Hotel. Die wussten nichts von einem E-Mail, ihren Zimmerpreis nahmen wir mit einem verwunderten Blick zur Kenntnis. Ach was solls, wir waren müde und wollten schlafen. Heute morgen versuchten wir während Stunden zwei Zugticket nach Rishikesh zu buchen. Gestern trafen wir noch eine Deutsche, welche uns die Informationen dazu lieferte. Es ist ein ausgeklügeltes System mit verschiedenen Kategorien und Wartelisten. Schlussendlich scheiterte es dann am Secure-Code meiner Mastercard. Bis ich diesen wieder reaktiviert hatte war die Buchung nicht mehr gültig. So machten wir uns auf und wollten die Tickets persönlich an einem Bahnhof kaufen. Beim “Aus-Checken” erkundigte sich der Hotelmanager über unsere Pläne. Er bot uns an, die Tickets mit seinem Lap-Top zu bestellen. Da es in den nächsten Tagen keine wirklich verfügbaren Plätze gab, empfahl er uns mit dem Bus dorthin zu reisen. Endlich waren wir im Besitz zweier Bustickets nach Haridwar, nach Rishikesh sind es dann nur noch ein paar Indien-Kilometer.  Wir erklärten ihm, dass wir  uns auf die Suche des Abfahrt-Busbahnhofes machen und in dessen Nähe ein Zimmer mieten wollen. Er überlegte kurz, dann bot er uns an, dafür zu sorgen, dass wir morgen rechtzeitig an diesem betreffenden Busbahnhof sein werden. Das heisst, er wird uns kostenlos dahin bringen. Gegenleistung, wir bleiben noch eine Nacht in seinem Hotel. Wer sich schon mal in Delhi aufgehalten hat wird verstehen, dass wir dieses Angebot nicht ausschlagen konnten. Also haben wir wieder in das inzwischen gereinigte grosse Dreibett-Zimmer eingecheckt.

Inzwischen war es bereits halb zwei und wir machten uns auf den Weg in die Innenstadt. Von unserem Hotel zur neu erstellten Metrobahn waren es ca. 10 Minuten zu Fuss. Wir nahmen allen unseren Mut zusammen um die breite Strasse voll von lärmenden Menschen und hupenden “Fahrzeugen” zu überqueren. Mitten auf der Strasse schenkte uns ein Polizist Bananen welcher ihm ein Buschauffeur aus dem Fenster zuwarf. Für einen Moment stand der Bus still und blockierte somit den gesamten Verkehr. Für uns die Gelegenheit auf die andere Seite zu kommen. Von dieser lärmenden, stinkenden und pulsierenden Atmosphäre fanden wir uns wieder in einer klimatisierten, grossräumigen und sogar für unsere Verhältnisse sehr sauberen Metrostation. Da wir fast die einzigen Gäste waren, beobachteten uns eine Anzahl Sicherheitsleute.  Wie am Flughafen wurden wir wie auch unser Gepäck gescannt. Voller Freude übergab man uns einen Metroplan und wies uns den Weg. Wir waren tief beeindruckt und brachten den Mund fast nicht mehr zu als wir in dieser Hochgeschwindigkeits-Metro sassen. Mit 105 kmh fuhren wir mehrheitlich oberirdisch Richtung Innenstadt. Beim Verlassen der Metrostation wurde uns  der Gegensatz von Arm und Reich jedoch wieder krass vor Augen geführt. Den bettelnden Kinderaugen zu wiederstehen war nicht einfach. Dankbar und mit leuchtenden Augen nahmen sie Orangen, Münzen oder Noten entgegen. Es  gab einige heikle Situationen zu überstehen. Man möchte allen etwas geben, man kann gar nicht aufhören. Man realisiert, dass viele Menschen vom Kleinkind bis zum Erwachsenen um das Überleben kämpfen. Die Armut zu sehen und hinzunehmen ist glaub die grösste Herausforderung in Indien.

Inzwischen ist es 23.15h, wir sind müde von den vielen Menschen und den Emotionen. Zudem steht uns Morgen eine 5-stündige Busfahrt bevor.  Guet Nacht!

Barbara&Hanspeter

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2 Kommentare zu „Abschied vom Ashram und Ankunft in Neu Delhi

  1. Hallo zusammen

    Schön, mal wieder etwas von euch zu hören. Der berühmte Kulturschock für Schweizer in Indien scheint bei euch etwas verzögert gekommen zu sein. Ihr wart ja relativ behütet im Ashram.
    Ich wünsche euch viel Glück bei eurer Weiterreise und warte schon jetzt gespannt wie sie weitergeht.

    Herzlichst
    Yvonne

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  2. Liebe Barbara, Lieber Hanspeter,

    sehr erfrischend war es immer wieder zu lesen, was Ihr nach meiner Abfahrt bei Amma im Ashram alles erlebt habt. So war ich für Momente auch immer wieder ein bisschen „dort“! 🙂

    Ich wünsche Euch für auch diesen neuen Abschnitt Eurer Reise viele berührende und lehrreiche Erfahrungen.

    Toll, dass ich Euch beim Start dieser großen Reise begleiten durfte!

    Alles Liebe aus dem nun schon bald frühlingshaften Berlin
    Marco

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